Wie das was wir verbergen wollen uns befreit

with Keine Kommentare

Der Moment in Yoga, wo man sein “Cool” verliert.

Ich zumindest bin ein Mensch, dem eine gewisse Eleganz bei der Ausführung der Asanas (Körperübungen, Stellungen im Yoga) wichtig ist. Wenn einen eine Asana aber überfordert, weil sei neu für einen ist, weil man (noch oder gerade) wenig stark ist, wenn dann die Muskeln zittern, das Gesicht rot anläuft, der Kiefer verkrampft, man mit der Balance ringt (und mit der Contenance sowieso), innerlich den Tränen nahe oder kurz davor aufzustehen, die Matte einzurollen und zu flüchten oder richtig richtig wütend wird – das ist der Moment vor dem ich Angst hatte. Der Moment des Scheiterns. Eine Yogaeinheit war dann für mich erfolgreich, wenn ich durchwegs elegant und stark war und “schlecht” dann, wenn ich oft an meine Grenzen kam.

Wie falsch ich lag.

Ich werde weiterhin an diesen Momenten in Yoga, wo mein Ideal-Selbstbild jämmerlich zerbröselt verzweiflen, wütend werden oder die Tränen unterdrücken, aber ich hoffe, ich werde sie zu schätzen wissen, seit ich erkannt habe: Das ist der Moment, der unglaublich verletzliche und wertvolle Moment in dem man seine Maske verliert.

Und hier ist die Überschneidung zur Kunstherapie:

Im anfänglichen Gespräch in einer Kunsttherapie-Session, wo man gemeinsam versucht, herauszufinden, worum es heute geht, ist oft noch viel Maske da, man hält an sich, man hält an etwas fest – das Bild von sich, das man – trotz oder Angesichts oder wegen des Schmerzes – zeigen möchte. An der Geschichte, die man schon so oft erzählt hat, an der man gefeilt und geschliffen hat, bis sie elegant, mit Distanz und unterhaltsam erzählt werden kann. Eklatant ist die Veränderung der Kommunikation, sobald man an die Gestaltung geht. Etwas wird weicher, schmilzt. Die Sprache wird tiefer, authentischer, kindlicher. Oder besser gesagt: Sie kommt aus einem tieferen, authentischeren Ort. All die Geschichten sind weg – der Moment ist da. Der Moment und das Einlassen auf ihn qua Gestaltung ermöglicht nun Offenheit und Verwandlung.
Das entspricht dem Moment des Scheiterns in Yoga und wenn dann ein guter, sehender Lehrer kommt und vielleicht ein Wort sagt, eine Stelle berührt – versteht man. Oder man läßt los: Ein Stück Selbstbild, das man mit viel Energie lange Zeit hochgehalten hat und macht Platz für einen neuen befreiteren Ausdruck.

Deine Gedanken zu diesem Thema