Schattenfarben

with Keine Kommentare

“Giftgrün”, heißt es im Buch Sprache und Macht der Farben¹ “stellt den Schatten der Farbe Grün dar. Man empfindet seinen Anblick als ekelhaft. Dies ist die Farbe der Gallenflüssigkeit. Erstaunlicherweise sind die meisten Pigmente der Farbe Grün hochgiftig. Als Beispiel möge der Grünspan dienen, aus dem eine grüne Farbe, das sogenannte Grünspangrün noch bis ins vorige Jahrhundert hineine produziert wurde. Grün kann also eine hochbeliebte Farbe der Gesundheit als auch eine Ekelfarbe sein, die an Schleim erinnert.”

Dieser Definition von Schattenfarbe kann ich als Kunsttherapeutin nicht zustimmen.
Ein kleines bisschen Giftgrün kann genau das sein, was die Gestaltung, das Bild braucht. Ein kleiner neongrüner Akzent an der Kleidung, ein Accessoire in dieser Farbe kann genau notwendig sein, um das Bild in die Umgebung zu malen, um die Farbkombination zusammenzustellen, in der man sich gerade ausdrücken will.

Im allerersten Ausbildungsseminar vor vielen vielen Jahren ging es um Farben. Eine Frage aus diesem Seminar hat mich lange beschäftigt: Die Frage nach der ungeliebten Farbe. Welche Farbe magst du nicht? Gar nicht? Welche Farbe löst Unbehagen oder Ekel in dir aus?

Für die Kunsttherapeutin ist die Antwort darauf nicht generalisierbar. Und so denn die Antwort auf die Frage nach der ungeliebten Farbe ein Hinweis auf mögliche Schattenthemen ist (vergleichbar denjenigen Eigenschaften an Menschen, die uns furchtbar nerven), so veränderbar und fluide ist sie auch.
Ich weiß noch, dass es zwei Farben damals gab, die ich furchtbar fand, grauenvoll und geschmacklos, körperliches Unwohlsein auslösend. Später malte ich ein Bild von den ungeliebten Farben, in dem ich zwei Frauen in diese kleidete. Später noch spürte ich das dringende Bedürfnis nach kleinen Akzenten in diesen Farben, wollte Mini-Dosen dieser Farben um mich, an mir haben.

Mittlerweile hat die Frage nach der ungeliebten Farbe keine Priorität mehr, sie wurde abgelöst von der Untersuchung der jeweiligen Farbobsession. Und der Frage: Was bedeutet dieses jeweilige starke Farbbedürfnis? Was bedeutet diese Farbe? Wohin führt sich mich? Was bewirkt es, wenn ich diesem Bedürfnis nachgehe, indem ich mich mit dieser Farbe umgebe, diese Farbe an mir trage?

Ich denke, sowohl “Schattenfarbe” (im Sinn von abgelehnter Farbe) als auch Farbsehnsucht sind Hinweise auf momentane Entwicklungsschritte. Ihnen Nachzugehen (in der Gestaltung, im Bild, in der Meditation, im Außen, im Innen) lohnt.

Was ist deine Schattenfarbe? Hat sie sich verändert? Nach welcher Farbe sehnst du dich gerade? Bist du es dir wert, diesem Bedürfnis nachzugehen?

¹Sprache und Macht der Farben, Klausbernd vollmar, ars momentum Kunstverlag, Witten 2007

Deine Gedanken zu diesem Thema