Neid – eine Enttabuisierung

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Neid scheint mir der tabuisierteste Schatten zu sein.

Unausgesprochen, unterdrückt, in seinem Schattendasein macht er häßliche Sachen wie diese:


http://wien.orf.at/news/stories/2688749/
http://www.grubstreet.com/2015/01/austrian-cafe-kicked-out-lesbian-couple.html

(Die Prückel-Besitzerin wäre wohl selber so gerne geküsst worden…von einem Mann oder – huch – einer Frau gar. Oder beides.)

Man schämt sich des Neides. Er macht häßlich, verkrampft, ganz und gar unsexy…und dessen ist man sich auch irgendwie bewusst. Deshalb versucht man ihn zu tarnen – oftmals als Verachtung, als Verächtlichkeit, als giftiges Kompliment, als Ignoranz. Das macht aber auch nicht schöner. Und vor allem: Es ist durchschaubar.

Eines ist sicher: In seinem Schattendasein bringt er nichts Gutes in die Welt.
Daher bin ich für eine längst fällige Enttabuisierung des Neides: Es macht vieles leichter, dürfte man über die eigenen Neidgefühle, über das neidauslösende Erlebnis, die neidauslösende Begegnung reden. Probier es aus! Ich kann es nur empfehlen. Nimm dir dazu einen Menschen deines Vertrauens.
Oder schreibe darüber – hier kannst du ganz und gar ehrlich sein – doch das Tabu geht soweit, dass selbst die Schreibe stockt (oder ganz klein und verschämt wird) bevor sie Neid zugibt. Wenn dabei Tränen fließen – ist das normal und sehr ok und heilsam: öffnet es doch die Tür zu den verborgenen Wünschen dahinter. Und gleichzeitig den Ängsten, die uns davon abhalten, uns diesen Wünschen zu nähern… Warnung: Das ist nichts für Pussies! Neidschattenbegegnung ist Schattenbegegnung für Fortgeschrittene! Das ist keine einfache Reise – aber eine spannende und lohnende.

[Bild: “Slide” von Mari Sunna]

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