Lieblingsschatten

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Ist dir schon einmal aufgefallen, wie selten Schatten in Bildern vorkommen, die in Kunsttherapie entstanden sind?


Wahrscheinlich erst dann, wenn er dann doch einmal – äußerst selten – in einer Gestaltung auftaucht. Um auf die Idee zu kommen, einen Schatten zu malen (dem dargestellten Wesen oder Gegenstand seinen Schattenbegleiter beizugesellen, beziehungsweise mittels Schatten die einzelnen Elemente zu verbinden) scheint einen Bewusstseinsschritt vorauszusetzen, der in der Kunsttherapie selten von Belang ist. Wenn ein Schatten dargestellt wird – dann ist er Thema, dann möchte er etwas sagen.

Schatten setzt Figürlichkeit, Gegenständlichkeit voraus. Es braucht einen Menschen, Gegenstände, um Schatten werfen zu können.
Schatten in der ungegenständlichen, abstrakten Malerei würden in anderer Art sprechen. Ich werde ab jetzt die Augen offen halten auf der Suche nach Beispielen der Schattenbehandlung in der abstrakten Malerei.

In seinem Buch “Schatten”¹ beschäftigt sich der Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich ein ganzes wunderschön und reich illustriertes Buch lang eben mit diesem. Genauer gesagt mit den Schlagschatten. In der bildenden Kunst (in der Beobachtung, im malend-sehenden Auge) wird nämlich zwischen drei Schattenarten unterschieden:

“Mit SCHATTEN (obmra) ist das gemeint, was ein Körper auf sich selbst erzeugt, wie zum Beispiel eine Kugel, die auf der einen Seite beleuchtet ist und die allmählich halb hell und halb dunkel wird, und jener dunkle Teil wird als Schatten bezeichnet. HALBSCHATTEN (mezz’ombra) wird jener Bereich genannt, der zwischen Licht und Schatten liegt, wo das eine in das andere übergeht und, wie wir gesagt haben, entsprechend der Rundung des Objektes allmählich abnimmt. SCHLAGSCHATTEN (sbattimento) ist der Schatten, der auf dem Boden oder anderswo von dem dargestellten Objekt erzeugt wird.”²

Was ist dein Lieblingsschatten in einem von dir gemalten Bild? Was ist dein Lieblingsschatten-Beispiel aus der bildenden Kunst?

¹ Ernst H. Gombrich: Schatten – Ihre Darstellung in der abendländischen Kunst, Wagenbach, 1996, Berlin
² Nach Filippo Baldinucci, Vocabulario Toscano dell’Arte del Disegno, Florenz 1681

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