Kunsttherapie mit Flüchtlingen

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In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit Xenophobie beschäftigt, angeregt durch die Lektüre von Ruth Kronsteiners Buch “Kultur und Migration in der Psychotherapie”. Dabei stellten sich mir die Fragen, was der Beitrag der Kunsttherapie zum Flüchtlingsthema sein könnte? Was sind Beispiele kunsttherapeutischer Arbeit mit Flüchtlingen? Um welche anderen Positonen im Unterschied oder in der Ergänzung zur Psychotherapie bzw Psychananlyse erweitert die Kunsttherapie dieses Feld?

Die im Folgenden vorgestellten Artikel berichten von der Arbeit mit (unbegleiteten) minderjährigen Flüchtlingen.

Ein großer Unterschied (und erschwerend wirkend für die oft finanziell prekär arbeitenden und lebenden KunsttherapeutInnen) ist der der Finanzierung: Im Gegensatz zur – oft – krankenkassengestützten und institutionalisierten Psychotherapie muss die Kunsttherapie (in Österreich) zuallermeist ohne diesen sicherern und unterstützenden Rahmen auskommen. Die Finanzierungsfrage ist immer eine schwierige. In der kunsttherapeutischen Arbeit mit Flüchtlingen übernehmen die Finanzierung Vereine oder private Spender.

Und wenn hier die Frage aufkommt: Warum sollte denn kunsttherapeutische Arbeit mit Flüchtlingen finanziert werden? Gibts nicht genügend Österreicher, die Hilfe bräuchten? Dann sei ganz generell meine Überzeugung und mein Weltbild angeführt, dass wir (alle Menschen, alle Wesen, alles Sein, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) zusammenhängen, verbunden sind und dass somit wir, wenn wir anderen helfen auch uns selbst helfen. Wer profanere Gründe braucht: Aus Flüchtlingen können Asylanten oder Neo-Österreicher werden – wäre es da nicht besser für das Miteinander Leben, wenn diese nicht hoch-traumatisiert wären? (Auch für die Krankenkassen, wenn man die psychischen und psychosomatischen Krankeiten bedenkt, die oft Folge unverarbeiteter Traumatas und nicht erfolgreich gelebter Migrationskrise sind).

Und ganz “egoistisch” und oftmals unterschlagen wird auch Folgendes: Die Arbeit mit Flüchtlingen bereichert mich, sie ist unglaublich erweiternd und sinngebend, sie eröffnet neue Bilderwelten; die völlig anderen Erfahrungen bereichern mich – sobald sie (mit-)geteilt werden können – die Stärke und Resilienz der Menschen, die flüchten mussten und Flucht erlebt haben beeindruckt mich. Wir können voneinander lernen, wir können einander bereichern, wir können einander helfen!

 

Anhand der von mir vorgestellten Beiträge möchte ich die Position der Kunsttherapie in der Arbeit mit Flüchtlingen entlang der Begriffe

Setting, Gruppe, Freiwilligkeit, Kultur, Kohärenz und Identität, Trauma, Sprache und Zweifel

beleuchten:.

 

Sprache:

“Die erste Phase in einer Kunsttherapiegruppe, der Prozess der Annäherung, geschieht nonverbal bis multilingual, da viele der Jugendlichen noch kaum deutsch sprechen. Die gegensseitige Verständigung ist holprig und verlangsamt, doch die weltumspannende Sprache der Kunst hilft anfängliche Sprachbarrieren zu überwinden. Bereits die ersten kleinen und großformatigen Bilder verweisen auf persönliche Erlebnisse und kulturelle Sichtweisen. Auch das Verhalten der Einzelnen drückt unterschiedliche Gefühle, Bedürfnisse und Hoffnungen aus. Die Grundvoraussetzung für Kommunikation auf Augenhöhe ist eine therapeutische Haltung, die von Wertschätzung, Respekt und Offenheit geprägt ist” heißt es im Beitrag von Maria Graf¹ in der Ausgabe 2013/2 von Kunst & Therapie, die dem Thema Kunsttherapie in interkulturellen Zusammenhängen gewidmet ist.

Im psychoanalytischen und psychotherapeutischen Diskurs finde ich zumeist eine Haltung, die Zweifel nicht erlaubt. Wahrscheinlich in der Angst und Annahme, dass Zweifel sofort als Unsicherheit und Schwäche gewertet werden. Statt als notwendiges Korrektiv, als Innehalten, als Möglichkeit. Die therapeutische Arbeit und besonders die Arbeit mit traumatisierten Menschen bringt einen immer wieder an seine Grenzen und auch dazu, die eigenen Fähigkeiten anzuzweifeln. Diesen Zweifel als Ressource zu sehen, sobald er disskutierbar wird und somit integriert wird, scheint mir doch viel zielführender. Meine These ist, dass der Zweifel in der Kunsttherapie integrierter ist. Im Sinne von: Wissen, das ich nichts weiß in der Begegnung mit einem Klienten und so schließe ich den Bogen zu oben erwähnter Haltung einer Begegnung auf Augenhöhe mit der KlientIn/dem Klienten in der Kunsttherapie im Gegensatz zum größeren TherapeutIn-KlientIn-Hierarchiegefälle in der Psychotherapie. (Empfehlenswert zum Thema Scheitern ist übrigens die aktuelle Ausgabe der “Kunst & Therapie”: Die produktive Kraft des Scheiterns.)

Geschützter Raum:

Hierzu heißt es im Beitrag von Maria Graf: “(…)stellt der therapeutische Raum einen wohltuenden Kontrast zu Leistungsfokussierung des alltägliche Schulbetriebs dar. Er verwandelt sich je nach Kontext in ein kreatives Experimentierfeld, eine Fundgrube von Objekten, eine kollektive Suppenküche, einen geschützten Ort für schwierige Gespräche oder in eine ‘Kampfzone’, in welcher verbal und mit vollem Körpereinsatz um Aufmerksamkeit gerungen wird. “Der Raum ist ein Geflecht von beweglichen Elementen. Er ist gewissermaßen von der Gesamtheit der Bewegungen erfüllt, die sich in ihm entfalten. (…) Die Erzeugung eines Raumes scheint immer durch eine Bewegung bedingt zu sein, die ihn mit einer Geschihte verbindet” (De Certeau: 1988, 218f)¹

Von den Schwierigkeiten einen ebensolchen Raum herzustellen, sei weiter unten berichtet.

Kultur:

Die Dekonstruktion eines statischen Kulturbegriffs eröffnet folglich ein wichtiges Charakteristikum von Kultur, nämlich ihre prinzipielle Veränderbarkeit. Menschen sind nicht von ihrem kulturellen Hintergrund determiniert, sondern Kultur wird verhandelt, weiterentwickelt und ist in ihrer Bedeutung und Repräsentation umkämpft (vgl. Vasilache, 2003: 26ff)” ¹

und Identität:

In der heutigen Forschung wird Identitätsbildung nicht mehr als typisches Phänomen des Erwachsenwerdens, sondern als ein biographisch offener, nie abgeschlossener Prozess  des Zu-Sich-Findens angesehen (vgl. Keupp, 2006:82)”¹

Ein mit der Identität zusammenhängender Schlüsselbegriff in der Kunsttherapie ist der der Kohärenz:

Sie (die Kohärenz –  Anm. d. Verfasserin) wird durch Narration hergestellt, denn so wie ich mein Leben erzähle, konstruiere ich meine eigenen Geschichten und meine Identität (vgl. Schneider, 2009: 364ff). Dementsprechend liegen die Möglichkeiten der Kunsttherapie hinsichtlich gelingender Identitätsarbeit darin, Jugendliche durch Probehandlungen zu neuen Selbsterfahrungen zu ermutigen. Durch das narrative Potential ihrer bildnerischen Arbeiten können Selbstkonzepte entworfen und innere Kohärenz hergestellt werden. Das geschieht jedoch nicht nur im dargestellten Inhalt, sondern auch durch das gewählte Material drücken sich Übertragungswünsche der Jugendlichen aus, da “subjektive psychische Bedürfnisse mit den Qualitäten der künstlerischen Stoffe korrespondiern” (Dannecker, 2010: 182). Die dem Material zugeschriebenen Bedeutungen und Eigenschaften variieren je nach kulturellem Kontext und können auf individuelle Geschichten der Jugendlichen verweisen. “Materialität ist das Fundament für Identität und Unterscheidung. Seine Realität entspricht dem Bedürfnis nach Verankerung in der Wirklichkeit. Ohne Material gibt es keine Grenzen von innen und außen. Ein begrenzter Raum ist die Voraussetzung, um Bedeutung finden zu können.” (Dannecker, 2010: 198f).¹

Trauma:

Traumatisierung bedeutet für die Betroffenen eine gebrochene Narration, d.h. das Tauma zerstört das Kohärenzgefühl der eigenen Identität. Die Folge ist eine beschädigte und verletzte Selbstwahrnehmung. die Außenwelt erscheint feindlich und unkontrollierbar. (vgl. von Schippe / El Hachimi / Jürgens, 2004) (…)¹

Aber Menschen sind auch ‘Traumaüberwinder’, das gilt wahrscheinlich in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche. Im künstlerischen Schaffensprozess können traumatische Erinnerungen distanziert betrachtet werden. “Bilder und Gestaltetes sind Container für Belastendes, Zugang zu Veränderung förderndern Kräften und Anker für heilsame Erfahrungen” (Gromes, 2007: 93).”¹

Als wichtige therapeutische Intervention kommt hier das ‘Reframing’ hinzu, das sowohl sprachlich als auch mit künstlerischen Mitteln vollzogen werden kann (vgl. Schmeer, 199: 182). Damit ist eine Umdeutung des Erlebten durch den traumatiseirten Menschen gemeint. Indem der eigenen Geschichte ein neuer Sinn in einem anderen Rahmen gegeben wird, können die Betroffenen durch das Reframing wahrnehmen, dass sie gerade durch die schwierigen Erlebnisse eine größeren Erfahrungsschatz, besondere Kräfte und Ressourchen gewonnen haben (vg. von Schippe / El Hachimi / Jürgens, 2004: 111). So kann, anstelle ihrer Ausrichtung auf die Defizite, die Aufmerksamkeit der Betroffenen auf die individuellen Chancen und Möglichkeiten gelenkt werden und neben die Gschichte von Flucht und Verfolgung eine andere Geschichte gestellt werden, bespielsweise eine von Mut und Hilfsbereitschaft.”¹

 

Barbara Stellbrink-Kesy stellt in ihrem Artikel “Farbe ins Leben – Ein Plädoyer für Kunsttherapie mit Flüchtlingskindern – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen“² Resumés nach einem Jahr verschiedener Projekte kunsttherapeutischer Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen vor:

Sie beschreibt Anfangsschwierigkeiten bezüglich Setting und Raum, denen Kunsttherapeuten (und ihre KlientInnen) in Instituten oftmals ausgesetzt sind und die hohe Improvistationskunst seitens der KunsttherapeutInnen erfordern:

Setting:

“Neulich im Süden Brandenburgs wurden also auch für ein Jahr lang einmal wöchentlich Koffer voller Kunstmaterial ausgepackt, zunächst in Flurbereichen der Gemeinschaftsunterkünfte. Eine Psychologin, eine Kunsttherapeutin und zwei Praktikanten standen zur Verfügung. Wir waren schon froh, wenn die Sozialarbeiter uns ein Eckchen zum Unterstellen der Koffer bis zum nächten Einsatz zeigen konnten. Wir fragten uns, ob es überhaupt möglich ist, unter solchen Umständen kunttherapeutisch zu arbeiten.” Und: “Andernorts arbeiteten wir in einem offenen Durchgangsbereich.”²

Freiwilligkeit:

“Wir trafen Kinder, die unsere Angebote wie Schwämme aufsaugten und große Kraft und kreatives Potenzial mitbrachten. Ein ums andere Mal ließen sie uns staunen. Nicht wenige hatten weder in ihrem Leben jemals gemalt, noch Ton in ihren Händen und manche nicht einmal Zugang zur Natur gehabt. Ausgehungert nach Erfahrung, stürzten sie sich auf das Material. Vier- bis Fünfjährige konnten zwei Stunden lang versunken arbeiten.”²

Sprache und Sprachlosigkeit:

In solch einer Situation voller Unsicherheit kann das einfache Bereitstellen eines zumindest vorüergehend verfügbaren sicheren Ortes mit der Möglichkeit, inneres Erleben auszudrücken, ein radikaler Akt sein. Denn sie eröffnet einen Kommunikationskanal in einer existenziellen Situation, die für viele Flüchtlinge mit Sprachlosigkeit verbunden ist.”

 

Das Schaffen von Raum:

Die Autorin zitiert Truus Wertheim-Cahen, die an eine der Pionierinnen der Kunsttherapie erinnert, “namentlich an die politisch engagierte Bauhaus-Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis, die im Jahr 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert wurde. Schon zuvor hatte sie Kunstklassen mit Kindern geleitet und setzte dies nun in Theresienstadt fort. über ihre eigenen künstlerische Arbeit schrieb sie 1938: “Dieses Leben hat mich von tausend Toden losgekauft mit dem Malen ” (vgl Kulturverein Schwarzer Hah e.V.). Aus der Arbeit mit den Kindern in Theresienstadt blieben tausende Bilder, die Friedl Dicker-Brandeis vor ihrer Deportation nach Ausschwitz sorgfältig in Koffer packte. Sie überdauerten auf einem Dachboden im Ghetto und legen Zeugnis davon ab, wie relevant die künstlerische Arbeit selbst unter schlimmsten Bedingungen war. Überlebende berichteten, wie diese Kunststunden im allgegenwärtigen Chaos und der gestörten Harmonie in Theresienstadt eine herausforderung waren. Es war ungemein wichtig, den Kinderen zu helfen, so dass es ihnen dennoch möglich wurde, Momente von Freiheit, Autonomie und Lebendigkeit in einer bedrohlichen und bedrückenden Gegenwart zu erleben. “Mit dem Malen hatte sie in den Kunstklassen für Kinder zwar nicht deren Leben, aber deren Seelen ewahren können” (ebd.) Truus Wertheim-Cahen bezieht sich auf diese große Leistung von Fridl Dicker-Brandeis und meint: “Auch wenn Kinder in den Flüchtlingsunterkünften nicht mit den verlorenen Kindern der Konzentrationslager im Faschismus gleichgesetzt werden können, gibt es dennoch Gemeinsamkeiten: 70 Jahre später verwandeln Kunsttherapeuten oder Künstler in zumeist heruntergekommenen Gebäuden, Blechcontainern oder Traglufthallen einmal die Woche einen sehr einfachen Raum in eine Art sicheren Ort, an dem die Kinder für kurze Zeit die Sorgen und unmittelbaren Nöte der Erwachsenen um sie herum vergessen können. Auch diese Kinder mussten ihre vertraute Umgebung, geliebte menschen, Dinge zurücklassen, haben Schreckliches in der Vergangenheit erlebt und noch kein Vertrauen in eine Zukunft. Oftmals traumatisiert, können sie nicht zur Ruhe kommen. Sie leben in einer sehr einschränkenden Umgebung zusammen mit änstlichen und depressiven Eltern und vielen Fremden.” (Wertheim-Cahen, 1998: 43, Übersetzung durch Autorin). Kunsttherapie in der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen erscheint unter diesem historischen Blickwinkel als eine der Wurzeln der bildnerischen Therapien.”

Auch aus dem Grund der sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten – oben schon angeklungen – ist Kunsttherapie in der Arbeit mit Flüchtlingen erste Wahl: “In der Gegenwart wird Kunsttherapie von Akteuren wie engagierten privaten Initiativen sowie den Flüchtlingsräten häufig eingestetzt (das gilt für Deutschland, nicht für Österreich – Anm. der Verfasserin) denn sie kann die Sprachhürde umgehen und ist damit geeignet, zeitnah eingesetzt, Traumafolgestörungen vorzubeugen. Zahlreiche Flüchtlinge sprechen keine Brückensprachen wie Englisch oder Französisch.”

Zum Thema Sprache möchte ich hinzufügen: Oft wird oberflächlich behauptet, Kunsttherapie sei eine Therapie, die ohne Sprache auskommt. Das ist falsch und diskriminierend. Die Herausforderung eine gemeinsame Sprache zu finden stellt sich von Stunde zu Stunde, von Klient zu Klient, mit einer Gruppe wiederum anderes als im Einzelsetting. (Besonders in der Arbeit mit Flüchtlingskindern kann die Gruppe was das Gemeinsame-Sprache-Finden angeht bereichernd sein, eine wertvolle Ressource). Umso größer die sprachliche Herausforderung, wenn es keinen – oder einen kaum vorhandenen – gemeinsamen Wortschatz gibt: Hier muss man mit Händen und Füßen mitkommunizieren, die Augen, die Körperhaltung, den Atem (!) mitdenken (generell eine Anforderung an die/den Kunsttherapeuten/In) und natürlich von Mal zu Mal von KlientIn zu KlientIn mit ihm/ihr und an ihm/ihr seine/ihre ureigene Bildsprachen lernen und in Worte übersetzen, in eine Geste (wenn Worte nicht möglich sind). Die Sprachverhandlungen, das stimmt, finden auf anderer Ebene statt als bei einer Psychoanalyse oder einer Psychotherapie, die nicht auf den riesigen Sprachschatz und die Ausdrucksmöglichkeiten der bildenden Kunst zurückgreifen kann.

 

Zu ergänzen ist noch die Frage: Ist die Gültigkeit und Wirksamkeit der Kunsttherapie in gleicher Weise für die Arbeit mit erwachsenen Flüchtlingen gegeben? Ich denke, ja, auf jeden Fall. Hierzu habe ich noch keinen Artikel gefunden, aber ich möchte auf ein Kunstprojekt hinweisen, das bei der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig im Irakischen Pavillion ausgestellt wurde: Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat Zeichnungen von Flüchtlingen in irakischen Flüchtlingscamps ausgewählt und zu einem Buchprojekt mit dem Titel “Traces of Survival“³ zusammengestellt.

 

Zusammenfassend sehe ich die Kunsttherapie als hoch indiziert in der Arbeit mit Flüchtlingen:

Sie schafft einen geschützten Raum, um sich auszudrücken, um zu verarbeiten, um Zeugnis abzulegen, um gesehen zu werden in eben diesem Zeugnis-Ablegen, um Traumafolgestörungen vorzubeugen, um Trauma zu überwinden, um positive Beziehungen zu erfahren, um eine neue gestärkte Identität (durch die Integration des Erlebten und der neuen Umgebung) herzustellen, um sein zu dürfen und um spielerisch sein zu dürfen (gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene).

So ist dieser Beitrag auch ein Appell an Geldgeber und politische wie institutionelle Entscheidungsträger, Kunsttherapie mit Flüchtlingen zu ermöglichen. Ich würde meine Arbeit und meine Erfahrung als KunsttherapeutIn mit traumatisierten Menschen (ich habe mit Jugendlichen gearbeitet, österreichischen und nicht-österreichischen, die durch sexuelle, psychische und/oder köperliche Gewalt traumatisiert waren) sogar gratis anbieten, wenn ein geschützter Raum und das benötigte Material gegeben wären.


 

¹Maria Graf: heute zusammen reisen – Kunsttherapie und kulturelle Identität. Erschienen in Kunst & Therapie 2013/2, Claus Richer Verlag.
Die von ihr zitierten Stellen stammen aus folgenden Büchern: De Certeau, M (1988). Die Kunst des Handelns. Berlin: Merve Verlag. Dannecker, K (2010). Psyche und Ästhetik. Die Transformation der Kunsttherapie. 2. Aufl. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.  Gromes, B (2007): Ressourchenorientierte Kunsttherapie mit traumatisierten Menschen. 93-101. In: v. Spreti, F / Martius, P / Henningsen, P (Hrsg.) Ideologie, Identität, Repräsentation. Hamburg: Argument Verlag. Keuppp, H (2006). Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmodernen. 3. Aufl. Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag. Schmeer, B (2009): Narrative Kunsttherapie. Identitätsarbeit durch Bildergeschichten, Ein neuer Weg in der Psychotherapie. Bielefeld: transcript Verlag. Visilache, A (2003): Interkulturelles Verstehen nach Gadamer und Foucoaoult. Frankfurt am main: Campus Verlag. von Schlippe, A / El Hachimi, M / Jürgens, G (2004): Mulitikulturelle systemische Praxis. Ein Reiseführer für Beratung, Therapie und Supervision. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag.

 

²Barbara Stellbrink-Kesy: Farbe ins Leben: Ein Plädoyer für die Kunsttherapie mit Flüchtlingskindern – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen in: Kunst & Therapie 2015/1, Claus Richter Verlag.
Die von der Autorin zitierten Stellen stammen aus folgenden Quellen: Kulturverein Schwarzer Hahn e.V. (Hrsg.). Theresienstadt 1941 – 1945 – Ein Nachschlagewerk. Personen: Dicker-Brandeis, Fridl. http://www.ghetto-theresienstadt.de, abgerufen am 20. Februar 2015. Wertheim-Cahen, T. (1998). Art Therapy with Asylum Seekers: Humanitarian Relief. In: Dokter, D. (Hrsg.). Art Therapists, Refugees Jessica and Migrants, Reaching across Borders. 41-61. London: Kingsley Publishers.

 

³Traces of Survival – Drawings of Refugees in Iraq. Selected by Ai Weiwei, edited by Tamara Chalabi & Philippe Van Cauteren (2015) RUYA Foundation for Contemporary Culture in Iraq and Mercatorfonds.

 

Eine Antwort

  1. […] Dazu demnächst in einem eigenen Artikel. […]

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