Filmtherapie rückwärts

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…Weiter zum Thema des letzten Blogeintrags: Gedankensüppchen:
Was tun, wenn es wieder anfängt zu brodeln? Und man merkt, dass man wieder dabei ist, sich einzuköcheln in seinem Gedankensüppchen?

Russel Crowe spielt im Film “A Beautiful Mind” den an schizophrener Psychose leidenden Mathematiker John Nash. In gewisser – vielleicht weniger plastisch ausgeformten und durch Figuren verkörperten Weise und dadurch so deutlich die Stimmen einem Gesicht zuordenbaren Form haben wir alle diese Stimme im Kopf. Man kann sie auch Ego nennen, oder Gedankenkreisen.
Im Film gibt es diesen Moment, wo Nash plötzlich erkannte: Sie altern nicht! Sie sind tatsächlich nicht “real”. Sie sind tatsächlich nur in meinem Kopf!
So ein Russel-Crowe-Moment ist uns allen zu gönnen.
Filmtherapie rückwärts.

Aber egal, ob wir die Nachhaltigkeit anzweifeln (denn bei komplexen Systemen kann eben der Zweifel perfiderweise Hauptingredienz des Gedankensüppchens sein…) den Sinn die Anstrengung auf uns zu nehmen, diese Gedankengewohnheiten zu ändern – eines könnte uns als Wegweiser, als Kompaß, als Entscheidungshilfe dienen: Was tut diese Art von Denken für mich? Hilft sie mir, öffnet sie mich für Lösungen? Verändert sie mich? Transformiert sie mich? Macht sie meinen Blick weiter, liebevoller? Macht sie, dass ich mich wohl mit mir fühle?
Oder: Macht sie mich eng? Zornig? Wütend? Macht sie Panik, Druck? Macht sie Über- und Unterlegenheitsgefühle? Komplexe? Fokussiert sie mich auf all das, was unfair, ungerecht, schlecht ist an der Welt und unlösbar in einer Art und Weise, die mich lähmt?*
Ist Zweiteres der Fall kann man mit ziemlicher Gewissheit sagen, dass diese Art von Denke mir/dir nichts bringt.
Und was macht man dann, wenn man sie als solche identifiziert hat? Es hilft sie zu benennen, sie mit einem Namen anzureden. Beispielsweise: Ok, Ego, ist gut, danke für deine Meinung, aber es ist gut jetzt. Kümmere dich um deine Aufgaben: Sorge gut für mein leibliches Wohl, aber überlaß das Denken mir.

Distanz kriegen ist ein Erstes. Und natürlich ist es eine Sache von Übung und Disziplin. Therapie kann helfen zu erkennen, zu transformieren. Wie lange das anhält, variiert. Aber danach ist man wieder alleine. Deshalb ist es sehr gesund und unterstützend und ratsam sich einmal täglich in eine Tätigkeit zu begeben, die hilft, Distanz vom Gedankenkreisen zu bekommen: Sei es durch Meditation, Yoga, Schreiben, Malen, Musik machen, Töpfern, Gärtnern, Tanzen….Alles auf eine Art und Weise, wo das Ego nicht hineinpfuscht, denn auch bei diesen Tätigkeiten kann es uns austricksen und versuchen, eine Art Konkurrenzkampf daraus zu inszenieren.

*Es gibt natürlich auch eine produktive Wut, eine, die sagt: Hey, genug jetzt! Grenze überschritten! Nein! Keinen Schritt so weiter! Eine, die sagt: Das ist ungerecht und da mache ich jetzt etwas dagegen!

 

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