Edith Kramer über Kunsttherapie

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Gerade entdeckt: dieses Zitat der Kunsttherapiepionierin Edith Kramer in der Zeitschrift “wina – Das jüdische Stadtmagazin”, Ausgabe Dezember 2017. Ich stimme zu, 100prozentig Ja! Und dennoch… immer noch sind wir Pionierinnen und es ist frustrierend, dass Österreich in manchen Bereichen so rückständig, so konservativ ist. Immer noch wissen viele Menschen nicht, was Kunsttherapie ist.

Ich setze mich mit meiner Arbeit für die Kunsttherapie ein, für die Bekanntwerdung und Anerkennung dieser großartigen Therapieform. Dazu gehört für mich auch, mich mit der Entstehungsgeschichte der Kunsttherapie auseinanderzusetzen und dieses spannende Kapitel österreichischer Geschichte zu teilen: die Wurzeln der Kunsttherapie sind jüdisch und sie sind weiblich. Um 1920 trafen sich die “Jungen Wilden” der Psychoanalyse am Grundlsee – unter ihnen Edith Kramer. Sie entwickelten eine neue Therapieform. Die Pionierinnen mussten entweder ins Exil gehen oder wurden von den Nazis ermordet. Ich habe bei der Entstehung eines Buches über Edith Kramer (Edith Kramer, Pionierin der Kunsttherapie, Wien, New York, Grundlsee; Styria Verlag, 2016) mitgewirkt. Die Kunsttherapie kommt langsam im kollektiven Bewusstsein an: Vor kurzem durfte ich dem Vortrag von Helga Pollak anlässlich einer Bucherscheinung beiwohnen. Helga Pollak war – wie Edith Kramer – eine Schülerin von Friedl Dicker-Brandeis – einer weiteren Kunsttherapie-Pionierin im KZ Theresienstadt. Ich war freudig erstaunt, als plötzlich Bundespräsident Van der Bellen auftauchte und auch eine Rede hielt.

Für die Bekanntmachung und Anerkennung der Kunsttherapie arbeite ich auch anhand von Vorträgen und Publikationen. 2016 erschien mein Artikel “Bildgenese in der Kunst und in der Kunsttherapie – eine Gegenüberstellung” in Kunst und Therapie, der Fachzeitschrift für Kunst- und Gestaltungstherapien. Mit meinem Vortrag beim Internationalen Kongress für angewandte Tiefenpsychologie zum Thema “Das Unsichtbare verwandeln – Wege zur seelischen Repräsentanz” Anfang vergangenen Jahres im AKH bekam ich die Chance Überschneidungen hin zur Psychotherapie zu erfahren und an Übersetzungen und Verständigung zwischen den Therapieformen zu arbeiten. (https://whereyouareishome.com/das-unsichtbare-verwandeln-wege-zur-seelischen-repraesentanz/). Im Dezember durfte ich gemeinsam mit meiner Kollegin Mag. Katharina Burger unsere Seminarreihe der “TräumeTreffen” im Rahmen des Symposions  “Die lange Nacht der Träume” initiiert von a.o. Univ.-Prof. Dr. Rainer Maria Köppl, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien vorstellen.

Seit nunmehr 8 Jahren arbeite ich mit einer Gruppe von Kunsttherapie-Kolleginnen zusammen – begonnen haben wir als Intervisionsgruppe, später verlagerte sich der Schwerpunkt hin zur Selbsterfahrung. Wir haben unser gemeinsam erarbeitetes erlebtes erfahrenes Wissen als Buch veröffentlicht: “Ein neuer Blick auf mich – Kunsttherapie als Selbsterfahrung” ist 2016 im maudrich/facultas Verlag erschienen.

Im Zwischenraum zwischen Kunst, Kunsttherapie und Yoga arbeite ich daran, den Reichtum, den diese Disziplinen bereitstellen und die neu entdeckten Räume zwischen diesen zu teilen: Ich arbeite an einer Poetisierung des Alltags und ich mache erfahrbar, wie heilsam die Hinwendung zu einer zärtlicheren, begeisterteren Sichtweise auf das, was um uns ist und in uns ist, sein kann. Anna Trökes (eine meiner Lehrerinnen und eine der wichtigsten Yoga-Autorinnen im deutschsprachigen Raum) forscht im Bereich Neuro-Yoga und sagt: “Alle Meister des Yoga und ihre Schriften künden zutiefst von der Überzeugung, dass Menschen ihr Leben lang in der Lage sind, sich zu verändern, indem sie die Kräfte in ihnen, die ihnen schaden mit solchen “überschreiben”, die ihnen gut tun. Man könnte auch sagen, dass der Yoga sich seither die “selbst gesteuerte Neuroplastizität unseres Gehirns” (Hanson) bzw. “Rekonfiguration des eigenen Geistes (Kéré Wellensiek) zum Programm gemacht hat.”

Mein Yoga verstehe ich als sinnliche Philosophie, die Körper und Geist miteinbezieht. Auch die Kunsttherapie arbeitet mit allen Sinnen. Beide Bereiche wollen immer wieder ins Hier-und-Jetzt führen, verführen – als den Ort an dem Veränderung, Heilung möglich ist, da nur im Hier-und-Jetzt ein Ausstieg aus überholten und vielleicht krank machenden Verhaltensweisen, Automatismen und Gedankenschleifen möglich ist.

In meinem Buch “Ein neuer Blick auf mich” nenne ich das, was oft als Achtsamkeit oder Selbstfürsorge bezeichnet wird, “Selbstzärtlichkeit” und habe Übungen entwickelt, die diese stärken.

Kunsttherapie ist eine Therapieform auch für Menschen, die nicht wissen, was Therapie ist. Für Menschen mit grundsätzlicher Abneigung gegen Psychotherapie oder Psychoanalyse. Ich habe mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen gearbeitet, mit Menschen aus dem autistischen Spektrum, mit Menschen mit Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten, ich habe fast ein Jahr lang (hauptsächlich unentgeltlich) gemeinsam mit meiner Kollegin Mag. Birgit Laggner eine kunsttherapeutische Gruppe mit Flüchtlingskindern geleitet. Das war ein Projekt, das mich sehr berührte, das mir sehr am Herzen lag. Ich finde diese Arbeit wichtig und es für mich unverständlich und wenig nachhaltig gedacht, dass hier von seiten der Politik nicht gefördert wird.

 

 

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